Home Porträts Alterskultur Links
Thema Großeltern Über uns Kontakt
     
 

Frauenporträts

Männerporträts

Karl
Arimond
Hans
Bömer
 
Valerio
Stahel
 
Louis-Armel
Bourdon
Heinz
Peters
Florian
Fischer
 
   
 
     
 
Karl Arimond
(geboren 1945 in Schönecken)

Karl Arimond  ist pensioniert und wirkt aktiv bei der Tafel in Euskirchen mit.

Unser Gespräch führten wir am 23. September 2012 in Erftstadt.

Wann fing das an mit der Idee: wenn ich alt bin, will ich genug Geld haben.
Das kommt daher: in unserem Bauernhaus waren wir drei Generationen, meine Großeltern, meine Eltern und mein Bruder und ich. Der Opa hatte seine zweite Frau, die war viel jünger als er, und mit ihr hatte er nochmal vier Kinder. Der Opa ist fast hundert Jahre alt geworden. Ein ganz lieber Kerl. Die Oma war nicht gut zu mir, sie hat immer meinen Bruder bevorzugt. Der Opa war ja voll in die Familie eingebunden, und ich habe immer gedacht: wie ist das denn, wenn die Familie nicht mehr so für alle da ist? Als ich mit Mitte zwanzig manchmal mit Freunden beim Bier saß, habe ich immer gesagt: du brauchst Geld, wenn du alt bist. Da haben die gesagt: du hast sie doch nicht alle, du brauchst Geld, wenn du jung bist. Nee, habe ich gesagt, wenn du jung bist, dann kannst du vom Körper her arbeiten, aber wenn du alt bist, dann geht das nicht mehr. Mittlerweile haben die Freunde, mit denen ich noch Kontakt habe, das natürlich kapiert.

Für dich hat es ja funktioniert. Du hast jetzt Geld genug, um  zu machen worauf du Lust hast.
J
a, ganz genau.

 

Willst du erzählen, was dir jetzt im Alter richtig Freude macht?
Ja, das kann ich dir sagen. Selbständig zu sein. Ich habe mich nach dreiundvierzig Jahren Ehe getrennt. Ich wohne zwar noch in unserem Haus, habe mir aber in Euskirchen im Haus ZIEL eine Wohnung gekauft. Das Haus muss ja noch gebaut werden, und es wird noch ein oder eineinhalb Jahre dauern, bis ich dort einziehen kann, und solange möchte ich auch noch, wenn es geht, in unserem Haus wohnen. Ich habe das Haus vor meiner Spanientour meiner Frau überschrieben. Wenn ich da ausziehe, nehme ich praktisch nur meine privaten Klamotten und meine Werkzeuge mit. Meine Frau bleibt im Haus. Sie bekommt Geld von mir, so dass sie vernünftig leben kann. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Frau gut leben kann. Sie hat mich ja auch unterstützt. Ich hatte mal sehr starke Depressionen, und sie kam jeden Tag zu mir ins Krankenhaus und ging stundenlang mit mir durch die Felder und brachte mich wieder zur Gesundung. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Ich möchte glücklich sein

 

 

Und warum hast du dich getrennt?
Da war keine andere Frau im Spiel, gar nichts. Man hat sich einfach auseinander gelebt.

Viele Leute bleiben in dem Alter dann aber trotzdem zusammen. Sie haben sich zwar nichts mehr zu sagen, würden sich aber nie trennen.
Ja, warum bleiben sie zusammen? Weil das Finanzielle nicht stimmt. Die können sich einfach nicht erlauben, sich zu trennen, die können sich das nicht leisten. Ich möchte mich auch nochmal verlieben. Ich möchte glücklich sein. Ich will mich auch nicht scheiden lassen. Wenn ich mal früh sterben sollte, will ich, dass meine Frau die sechzig Prozent meiner Pension bekommt, das gönne ich ihr. Ich habe meiner Frau auch geraten, zu einer Anwältin zu gehen und sich beraten zu lassen, was ihr zusteht. Und letztendlich gebe ich ihr mehr, als ihr zusteht.

 

Was ist es, was zu deinem Glück im Alter beiträgt?
Frei sein, finanziell unabhängig sein, das tun, was mir gefällt. Wie zum Beispiel in diesem Jahr den Jakobusweg zu gehen.  Vor einundzwanzig Jahren bin ich mal mit dem Fahrrad von Euskirchen nach Rom gefahren. Vor neunzehn Jahren bin ich mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela gefahren,  zusammen mit einem Kumpel. Und dann habe ich mir gedacht, den Weg von vor den Pyrenäen, von St. Jean Pie de Port nach Santiago, den gehst du auch mal zu Fuß. Das habe ich damals für mich beschlossen, und ein Kumpel wollte mitgehen. Dem kam aber etwas dazwischen, und letztes Jahr im Herbst, als wir im Wald waren, habe ich gedacht, man merkt ja auch, dass man nicht mehr so fit ist wie vor zwanzig Jahren, und da habe ich zu mir  gesagt: du kannst das nicht mehr schieben, wenn du das machen willst, dann musst du das jetzt machen. Und dann habe ich zu meinem Bruder gesagt: im Frühjahr bin ich weg, such dir einen anderen, der dir hilft. Und dann bin ich im Frühjahr losmarschiert.

 

Das würde ich für alle machen, nicht für mich.

Wieviel Kilometer?
Neunhundert.

Wie lange hast du gebraucht?
Das waren zweiundvierzig Tagesetappen. Einmal bis Santiago, das ist ja das Ziel des Jakobuswegs. Drei Ruhetage, Pamplona, Burgos, León. Ich wollte aber bis ans Ende der Welt nach Cap Finisterre, das waren nochmal hundertdreißig Kilometer. Ich habe unterwegs Sachen begriffen, die ich vierzig Jahre lang verkehrt eingeschätzt habe. Zum Beispiel habe ich immer gemeint, ich wäre der große Taktschläger und würde zuhause die Richtung angeben. Das war auch so, ich habe mich um alles gekümmert, aber ich habe begriffen, dass meine Frau alles in Frage gestellt hat. Zum Beispiel: das Haus, wo wir wohnen, sollte nach ihrer Meinung nicht gekauft und umgebaut werden; für das Mietshaus in Flamersheim, vier Parteien, habe ich das Darlehen nur auf meinen Namen aufgenommen, das Grundstück gekauft und sehr viel Arbeit und Mühen, ca. fünfundsiebzig Prozent Eigenleistung investiert, und sie hat nicht ein Mal gesagt hat, Karl, das hast du gut gemacht. Aber es wurden Leute hochgehoben, Sprücheklopfer, die nichts auf die Reihe gebracht hatten.
Als ich in Santiago ankam, habe ich mir beim Hotelier sechs Bogen Briefpapier genommen und habe einen sechs Seiten langen Brief an meine Frau geschrieben und abgeschickt, wo ich ihr das von mir Begriffene darstellte. Ihre Antwort: zwei Zeilen als SMS aufs Handy.

Nächstes Frühjahr fahre ich mit dem Zug nach Florenz und gehe dann von dort durch die Toscana nach Rom. Das sind ungefähr vierhundert Kilometer. Der Weg nennt sich Via Franciena. Der geht von Canterbury in England nach Rom. Und wenn ich zurückkomme, ist Mitte Mai. Ich habe jetzt Kontakt mit einem Büro in Bayern aufgenommen, die vermitteln einen für die Almwirtschaft in Oberbayern. Ich warte jetzt, was die mir zuschicken, denn ich will dreieinhalb Monate mit den Viechern auf die Alm gehen.

Du brauchst Geld, wenn du alt bist.

 
   

Kriegst du dafür Geld oder musst du dafür zahlen?
Nein, ich mache keinen Vertrag, ich gehe freiwillig dahin und lege mich auf nichts fest. Und wenn es mir nicht mehr gefällt, kann ich auch aufhören, sollte das nicht klappen. Ich habe auch mit der Furka-Oberalpbahn Kontakt aufgenommen, die suchen freiwillige Mitarbeiter für die Instandhaltung der Furka Bergstrecke Dampfbetrieb. Das sind meine Pläne fürs nächste Jahr. Und ich habe ja auf dem Jakobusweg fünf Leute kennen gelernt.  Wir haben immer im selben Hotel übernachtet, zwei aus Remscheid, einer aus Bonn, einer aus Hattingen an der Ruhr und einer aus der Hannoveraner Ecke. Wir haben uns jetzt vor vierzehn Tagen in Hattingen getroffen. Einer von ihnen hat einen schön Film gemacht, den haben wir uns angesehen und beschlossen, nächstes Jahr im Herbst zusammen den Lechweg zu machen, also von der Quelle des Lech bis nach Füssen. Der Lech entspringt am Arlberg, in Österreich.

Seid ihr alle im gleichen Alter?
Ich bin der älteste, der jüngste ist Mitte fünfzig. Eine ganz tolle Clique ist das.

Ich würde jetzt gerne auf wild zu sprechen kommen. Kannst du mit dem Wort auf dich bezogen etwas anfangen?
Ja,  wild...?...  ich bin vom Naturell her, also  nicht direkt wild, ich bin eher rau, ehrlich, impulsiv und in manchen Situationen auch extrem.  Wenn ich an meine Zeit zurückdenke, wo ich immer mit dem Rennrad unterwegs war. Da kam ich dann abends von der Arbeit aus Köln, die Treppe hoch, Fahrradklamotten an und aufs Rennrad. Und bin immer noch so sechzig, siebzig Kilometer gefahren. Und alle vier Wochen gingen wir Samstagabends Kegeln, haben dann auch was getrunken und kamen nachts um eins, halb zwei nachhause, und dann habe ich mir den Wecker gestellt auf halb fünf, und wieder aufs Rennrad, hundert Kilometer am Sonntagmorgen. Das würde ich als extreme Situation bezeichnen. Aber wild?

Eine Beziehung ja, aber nicht mehr zusammen wohnen.

 

Ich habe auch zwei Mal ein schnelleres Auto gehabt, aber ich habe nie das Bedürfnis gehabt, damit wild zu überholen oder so. Wild? Nee. Mein ganzes Naturell ist wild.

Und weise?
Ich bin ein wißbegieriger Mensch und interessiere mich für fast alles. Ich lese jeden Tag zwei Zeitungen, den Stadtanzeiger, und ich habe die Süddeutsche Zeitung im Abo, und wenn man die liest, braucht man zwei oder drei Stunden. Und ich schaue mir auch im Fernsehen informative Sendungen an, oft in den dritten Programmen, so seichte Sendungen, die sind für mich Fremdbegriffe. Aber weise? Was ist weise?

Offensichtlich suchst du das Weise, was mit Wissen zu tun hat. Weise wird ja oft aufs Alter bezogen. Würdest du sagen, dass man im Alter weiser wird?
Man sagt ja oft, man wird gelassener. Das aber kann ich auch nicht auf mich anwenden. Aber sag mir mal einfach, was man darunter versteht?

Jeder versteht unter weise etwas anderes. Mir geht es bei den Interviews auch darum, dass der jeweilige Gesprächspartner seine Version von weise sagt. Bei dir kriege ich mit, dass  für dich weder wild noch weise irgendwie von Bedeutung sind. Aber du hast sehr wohl das Leben im Alter als bedeutungsvoll definiert, und du setzt ja auch vieles um. Möglicherweise ist das sogar weise.
Helmut Schmidt, zum Beispiel, würde ich als weise bezeichenn. Der Mann hat eine Richtung im Leben und zieht die auch konsequent durch. Der weiß auch immer, was er sagt.

Ich habe mir ein ganz tolles Carbonrennrad gekauft.

 

Ich würde gerne noch auf etwas anderes zu sprechen kommen.  Ich weiß von dir, dass du ehrenamtlich tätig bist. Würdest du darüber noch etwas erzählen?
Ich muss kein Geld mehr verdienen, ich habe meine Hausaufgaben gemacht und bin damit im Reinen. Ich habe zwar in dem Holzgeschäft noch ein paar Euro verdient…

…was war das, das Holzgeschäft?...
Ich habe viele Jahre mit meinem Bruder zusammen vernünftig hantiert. Sehr vernünftig. Wir haben schon 1966 das erste Haus in der Eifel gebaut. Neben dem Bauernhaus haben wir ein neues Wohnhaus gebaut. Das alte Wohnhaus unseres Bauernhofs haben wir zu Garagen für Maschinen umgebaut, und wir sind dann nebenan in das neue Haus gezogen. 1978 haben wir dann das Haus für meinen Bruder gebaut, wo er immer noch wohnt. Ein schönes und sehr schwieriges Haus vom Stil her. 1987 haben wir dann das Haus umgebaut, wo meine Frau und ich wohnen. Danach noch zwei Mietshäuser mit vier und fünf Parteien, und dann kam das Holzgeschäft.

Was ist das genau?
Wir fällen im Wald Bäume. Wir haben einen Förster, der für den Besitz des Bundes arbeitet, da wo Übungsplätze sind. In Satzvey, zum Beispiel, ist ein riesengroßer Truppenübungsplatz. Der Förster zeichnet uns die Bäume an, die gefällt werden müssen.

Wenn die Setzlinge in den Boden kommen, dann werden die eng zusammen gesetzt, damit ein Baum den anderen ans Licht zieht. Aber mit der Zeit braucht der Baum mehr Platz, und dafür müssen andere weichen. Und so eine Waldenddurchforstung ist bei Eichen und Buchen wenn die so siebzig, achtzig Jahre alt sind.
 

Ja, ich will etwas geben.

Waldenddurchforstung?
Ja. Die Bäume, die dann noch stehen bleiben, sind Zukunftsbäume. Aber während der ganzen Wachstumszeit werden immer wieder Bäume gefällt, man nennt das Durchforsten, das wird bei allen Bäumen gemacht, Eichen, Fichten, Buchen. Dann geht der Förster und zeichnet die Bäume mit der Sprühdose an, dann kommen wir und fällen diese Bäume und fahren sie raus, und dann kommt der Förster und misst und sagt, ihr habt soundsoviel Festmeter.

Was ist denn ein Festmeter?
Wenn der Stamm noch ganz ist, wird die Länge des Stammes gemessen, und in der Mitte wird der Durchmesser gemessen. Ein Kubikmeter ist ein Meter mal ein Meter mal ein Meter, und ein Festmeter ist Durchmesser mal Länge des Stammes. Wir kaufen Festmeter. Dann schneiden wir die langen Stämme auf Meterstücke. Wir haben zwei  große Holzplätze, wo wir das Holz lagern. Dann kommen die Meterstücke auf den Holzspalter. Der drückt es hydraulisch über ein Kreuz, und dann kommen vier Stücke raus.
Das Buchenholz wird als Langholz und Festmeter mit LKWs gebracht, das kaufen wir bei jemandem, der es vermarktet, der bringt uns das auf den Holzplatz. Das sind oft gewaltige Stämme.  Wir haben drei Traktoren, einer treibt über die Zapfwelle die Hydraulikpumpe vom Spalter an, der andere hat hinten ein Bündelgerät, womit genau ein Festmeter gebunden wird. Diese Bündel werden dann mit dem Frontlader aufeinander gesetzt und bleiben zwei, drei Jahre stehen, zum Trocknen. Dann wird das Holz auf Ofenlänge gesägt und dann verkaufen wir es als Brennholz. Fürs Bringen haben wir einen Schnelltraktor, der vierzig Kilometer fährt, und damit fahren wir das Holz zu den Leuten.
Ich sage immer noch “wir“, aber ich bin ja nicht mehr dabei, ich bin ausgestiegen. Das habe ich auch begriffen auf dem Jakobusweg, ich habe über sechzig Jahre vernünftig mit meinem Bruder zusammen hantiert, habe ihm Lesen und Schreiben beigebracht, wir haben Häuser gebaut, ich habe mehr investiert als er, das hat mit dem Alter zu tun, weil ich der ältere bin. Jedoch im letzten Jahr traten immer mehr atmosphärische Störungen zwischen uns auf.
Ich muß mir das nicht mehr antun.

 

Ist das mit dem Holz ein gutes Geschäft gewesen?
Gar nicht. Das ist eine sinnvolle Freizeitgestaltung,  und dabei haben wir noch etwas Gutes getan. Wir haben einen sehr armen, alleinstehenden Rentner beschäftigt, der im Dorf von allen Leuten geschnitten wurde, wir haben ihn vernünftig bezahlt und ihn somit wieder ein wenig in die Gesellschaft integriert.
Was das Geschäft angeht, du kannst sagen, da bleibt ein bisschen was übrig. Ich habe mal ein Jahr gerechnet, und da kam ein Stundenlohn von vier Euro raus. Ich habe das vier, fünf Jahre gemacht, nach meiner Pensionierung, aber mein Bruder macht weiter. Als ich auf dem Jakobusweg unterwegs war,  ist mir auch klar geworden, dass ich das nicht mehr weitermachenw will. Ich wollte nur noch was Soziales machen und bin dann zur Tafel in Euskirchen gegangen. Ich brauche eine Beschäftigung.

Was war die Idee dahinter? Willst du etwas geben?
Ja, ich will etwas geben.

Weil du glaubst, du hast genug?
Ja.

 

Ich bin ein wißbegieriger Mensch.

 

Und das macht dich auch zufrieden?
Das macht mich glücklich. Ich mache dort zwei, drei Touren die Woche. Wir fangen um acht Uhr an, wir sind zwei Leute, und da ist so ein Kastenwagen mit Kühlaggregat, und damit fahren wir die Geschäfte ab und sammeln die Lebensmittel ein. Die Tour variiert, wir bekommen eine Liste mit allen Geschäften, die wir abfahren und wo wir die Lebensmittel abholen. Dann bringen wir sie zur Sammelstelle, und da sind dann die Frauen, die die schlechteren Sachen aussortieren.  Das andere kommt dann in die Regale für die zwei Tage, an denen die Ausgabe gemacht wird.

Wo ist diese Ausgabestelle?
Auf der Roitzheimer Strasse, wo früher die Spedition Daufenbach war.

Die Leute, die bei der Tafel mitwirken, sind früher mit ihren Privatautos zum Einsammeln der Lebensmittel gefahren. Dann hat die Sparkasse Geld reingegeben und andere größere Firmen. Die Autos sind auch gestiftet. Mit der Verteilung der Lebensmittel habe ich aber nichts zu tun. Das möchte ich auch nicht. Freitags bei der Tour bringen wir auch älteren Leuten, die nicht mehr laufen können, die Lebensmittel nachhause.
 

Was sind das für Lebensmittel?
Sachen, die in den Geschäften nicht mehr verkauft werden dürfen. Aber die sind ja noch gut, da ist oft nur das Verfallsdatum abgelaufen. Also der Real, da laden wir fast immer ein ganzes Auto, das sind Top Lebensmittel, die wir da kriegen. Die Pennymärkte, das ist nicht so gut, was die uns rausstellen, REWE, Edeka, das kann man auch noch unter fifty-fifty einteilen, oder die Bäckerei Lennartz in Kuchenheim, da laden wir manchmal zwanzig Stiegen mit allen möglichen Sachen ein.

Ich habe das Gefühl, für dich heißt Altsein oder Älterwerden…
…mit dem Altsein habe ich keine Probleme… ich fühle mich nicht alt. Ich bin in einer Wandergruppe, wo wir manchmal jede Woche wandern gehen, da bin ich der Älteste, aber wenn es den Berg hochgeht, da bin ich immer mit vorneweg.


Mein ganzes Naturell ist wild.

 

Du fährst ja auch noch Rad.
Ja. Ich habe mir ein ganz tolles Carbonrennrad gekauft. Das macht richtig Spaß. Im Winter will ich auch wieder schwimmen gehen.

Zum Schluss möchte ich dich noch gerne fragen: wie bist du zu der Gruppe ZIEL gekommen?
Ich habe auf Jahre gesucht, um eine Wohnung zu finden, die fürs Alter besser ist als unser Haus. Also habe ich immer geguckt, wo sowas gebaut wird und habe vor drei Jahren, kurz vor Weihnachten, den Chef vom Bauamt in Euskirchen angerufen und gefragt, ob er wisse ob in Euskrichen so etwas gebaut wird.  Und der sagte, da ist der Architekt Belter, die planen ein Mehrgenerationenhaus. Da habe ich die Telefonnummer rausgesucht, Herrn Belter angerufen, und eine halbe Stunde später saß ich bei Belters im Wohnzimmer. Ich habe einen Plan bekommen und bin damit zu meiner Frau und habe gesagt, das ist eine Wohnung für uns fürs Altwerden: Tiefgarage, Aufzug, große Türen und alles auf einer Ebene. Wir waren praktisch die letzten, die in die Gruppe kamen, als sie noch bestand. Wir wollten die Wohnung kaufen, aber noch nicht sofort einziehen, sondern erstmal vermieten. Dann ist diese Gruppe aber geplatzt. Für mich war aber klar, ich bleibe dabei, denn seit Jahren habe ich gedacht, du brauchst etwas, wo du so lange wie möglich eigenständig bleiben kannst.

Hast du den Wunsch, mit denen, die  in dieses Haus ziehen, Gemeinschaftliches zu entwickeln?
Ja, aber nicht so, dass ich alles mitmachen muss.

 

Aber wie könntest du es dir vorstellen?
Ich stelle mir schon mal vor, wenn das Haus jetzt gebaut ist und wir wohnen dort, das ist ja ein größeres Grundstück, dass ich da in der hinteren Ecke ein schönes Gartenhaus aufbaue. Ich habe die Maschinen und die Kenntnisse, das würde ich für alle machen, nicht für mich. Und ich würde mich auch an anderen Sache beteiligen, aber nicht bei allem mitmachen, mich nicht vereinnahmen lassen. Ich möchte nicht, dass man mir vorschreibt, du musst jetzt morgen Mittag um zwölf da antanzen.


Ich will dreieinhalb Monate mit den Viechern auf die Alm gehen.

 
   

Freust du dich darauf, allein zu leben in einer neuen Wohnung?
Ja. Ich möchte mir die Wohnung so machen, wie ich das möchte. Heute hat man in den Räumen so einen Putz, der sieht aus wie eine Marmorstruktur, das gefällt mir extrem gut, das wäre so ganz nach meinen Vorstellungen.

Ein Neuanfang mit fast siebzig.
Ja. Es ist auch nicht so, dass ich mit Händen und Füßen eine Partnerin suche. Ich muss auch nicht immer einen um mich rum haben, ich bin sehr eigenständig. In meiner Kindheit habe ich zu Hause, da meine Mutter viele Jahre mit offener Tuberkulose in der Heilstätte war, vieles machen müssen. Ich weiß auch gar nicht, ob ich nochmal zusammen wohnen würde. Eine Beziehung ja, aber nicht mehr zusammen wohnen. In der Gruppe sind ja viele Leute, die allein stehen, Männer und Frauen, da lasse ich alles auf mich zukommen. Ich freue mich darauf.

http://www.euskirchener-tafel.de
http://www.haus-ziel.eu

 
 
   
 
 
Impressum