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Lange leben wollen viele,
aber alt sein?

Was erschreckt uns eigentlich so sehr an dem Wort alt?
Wenn wir in uns nachforschen, werden wir eine Reihe von negativen Assoziationen finden. Vorstellungen von Verfall und Behinderung mit allen sozialen und

 

persönlichen Konsequenzen, die hinlänglich bekannt sind.
Unsere Bilder vom Altsein sind überwiegend nicht schön. Sie erschrecken und wir reagieren mit Abwehr.
Nein, so will ich nicht werden!
Jedoch zu glauben man könne es verhindern, indem man sich dem Altwerden verweigert und versucht, möglichst lange Jungsein zu praktizieren, halte ich für einen Irrtum.
Ich glaube vielmehr, daß wir gut daran tun, neue Ideen und zeitgemäße Vorstellungen vom eigenen Altwerden und Altsein zu schaffen.

   
Und ich glaube auch, daß wir die Generation von Alten sind, die diese Aufgabe erfüllen kann, sowohl gesellschaftlich als auch privat. Vermutlich werden diejenigen, die sich der Herausforderung stellen, bald merken, daß die Trennung zwischen privat und gesellschaftlich kaum aufrecht zu erhalten ist.  
Wir müssen uns nur erinnern.
   
Die Idee, Privates sei nicht zu trennen von Gesellschaftlichem, haben wir schonmal vor vierzig Jahren erörtert, als wir als Studenten und Studentinnen auf die Straße gingen und gegen den Vietnamkrieg demonstrierten, Wohngemeinschaften gründeten, Frauengruppen gründeten, Kinderläden gründeten und damit gesellschaftliche Gegebenheiten schufen, die von unseren privaten Leben in den Gründungszeiten tatsächlich nicht zu trennen waren.
Die privaten Jahre kamen später.
Beruf, Familie, Kinder, Scheidung, nächste Ehe, Haus im Süden, und noch eine Beziehung mit noch einem Kind und mit fremden Kindern, oder Alleinleben und Alleinerziehen, Selbstverwirklichen, Psychotherapie, Esoterik, Spiritualität und weitere Varianten privatisierten Lebens unserer Generation.
Jetzt sind wir um die sechzig.
Vorbilder in die wir hineinaltern können.
Und wieder wartet eine gesellschaftliche Aufgabe auf uns.
Jetzt gehts darum herauszufinden, wie wir am besten alt werden, welche Bedingungen wir brauchen, um schön alt zu werden, was wir anders machen können als die Alten vor uns, welche Einrichtungen wir gründen sollten, damit wir und die, die nach uns kommen, zeitgemäß altern können. Wenn wir diese Herausforderung annehmen wollen, sollten wir uns in Bewegung setzen.
   

Die Kombination von alt, wild und weise mit Punkt com ist Botschaft und Programm zugleich.
Wir siedeln uns mit dem Thema in einem Medium an, das entstand, als wir schon nicht mehr jung waren. Viele unserer Generation mußten sich irgendwann entscheiden, ob sie lernen, Computer und Internet zu handhaben, und dabei waren nicht wenige durch innere Widerstände wie Vorurteile und Ängste blockiert. Wer diese jedoch überwinden konnte, hat Anschluß gefunden an eine „neue Welt“.
Im Internet finden wir Bewegungsmöglichkeiten, die vor uns noch nie einer Generation von Alten zur Verfügung stand. Angebundensein und Miteinander-kommunizieren-können ist nicht nur eine Herausforderung sondern auch ein Geschenk.

Alt und weise ist uns als Wortkombination bekannt und beschreibt ein Bild, das positiv besetzt ist. Es ist ein altes Bild und eignet sich durchaus als romantische Vorstellung vom Altsein. Ob wir allerdings mit Romantik weiter kommen, bezweifle ich.
In Gesellschaften, in denen Altsein noch einen Wert hat, gibt man Alten und besonders weisen Alten, einen positiven Platz im sozialen Gefüge.
Wir aber altern in eine Gesellschaft hinein, die für Alte keine positiven Werte bereit hält.

Nur alt sein reicht nicht.
Als wir jung waren und Revolution übten, haben wir eine Werteverschiebung hervorgebracht und alles Junge aufgewertet. Allem Alten gegenüber verhielten wir uns furchtlos und respektlos.
Jetzt sind wir selbst alt und es wäre absurd, von den Jungen das einzufordern, was wir damals als Junge den damaligen Alten verweigert haben.
   
Wir müssen uns nur erinnern.
Wir glaubten uns im Recht. Wir gingen mit den Zeichen der Zeit. Wir setzten sogar die Zeichen der Zeit.
Und genau das tun die heutigen Jungen auch.
Nur sehen ihre Zeichen anders aus als unsere damals.
Heute wie damals müssen sich die Alten den Respekt der Jungen verdienen. Automatisch läuft das nicht. Nur alt sein reicht nicht. Altsein ist kein Verdienst.
Und wer erinnert sich nicht an einzelne Alte, denen wir als Junge begegneten, die uns beeindruckten und denen wir problemlos Respekt entgegen brachten, weil sie so waren, wie wir es brauchten, um unser Jungsein leben zu können.
   
Jungsein ist nicht einfacher als Altsein.
Jeder alte Mensch war mal ein junger Mensch. Aber nicht alle Jungen werden mal Alte. Das schaffen nur die, die lange genug leben, was in Friedenszeiten, ohne Naturkatastrophen und mit Hilfe medizinischen Fortschritts immer mehr Menschen gelingen wird. Darüber jedoch machen sich Junge normalerweise keine Gedanken. Sie leben einfach. Und das ist gut so.
So haben wir das damals auch gemacht.
Und wir waren mutig und wild.
Neue Ideen zum eigenen Altwerden.
   

Wie wärs, wenn wir mit sechzig wieder mutig und wild werden?
Mutig, wild und vor allem auch kreativ.
Um wieder Zeichen zu setzen.
Diesmal für schönes Altwerden.

Naturpark Cabo de Gata
Mai 2006

   
 
 
   
       
 
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