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Horst Belter
Wohnprojekt  ZIEL
Horst Belter ist aktives Mitglied und Architekt des Wohnprojekts  ZIEL (Zusammen In Euskirchen Leben)

Unser Gespräch führten wir am 31. August 2012 in Euskrichen

 

Wir wollen über das Wohnprojekt ZIEL hier in Euskirchen sprechen. Es ist ja ganz anders losgegangen als es derzeit dasteht.
Anfangs war es die Idee von Nachbarn und Freunden: wie wollen wir eigentlich in der Zukunft leben? Meine Frau und ich hatten uns noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, aber Freunde hatten irgendwo etwas gelesen oder gehört, und so haben wir uns informiert, haben diskutiert und haben uns im Rahmen eines Seminars  Projekte in Köln und in Mülheim an der Ruhr angeguckt, die unter dem Tenor "Miteinander-Wohnen" und "Gemeinsam-Leben" entstanden sind.  So kam dann auch bei uns das Interesse, und wir dachten, so könnten wir eigentlich auch leben.

Wann war das?
2005 kamen die ersten Überlegungen, und 2006 haben wir dann das Seminar mit den Besichtigungen mitgemacht und die Idee konkretisiert. Anschließend haben wir uns überlegt: können wir so etwas in Euskirchen machen, und wie machen wir das? Wir hatten dann die Idee, uns auf der Seniorenmesse mit einem Stand zu präsentieren. Auch um zu gucken, welche Resonanz das in Euskirchen hat. Wir waren ja nur eine kleine Gruppe von vier Pärchen, die diese Idee hatten. Drei von uns wohnen hier nebeneinander, und das vierte Pärchen wohnt auch hier in Euskrichen. Wir treffen uns seit Jahren regelmäßig zum Kartenspielen.
Ich habe mich dann bemüht, nach Grundstücken zu suchen, wo solch ein Projekt realisiert werden könnte. Ich hatte dann zehn Grundstücke unterschiedlicher Größe und Lage gefunden, die in Frage kamen und die frei waren. Davon gehörte die Hälfte der Stadt Euskirchen und die andere Hälfte waren private Eigentümer. Mit denen habe ich dann auch gesprochen, den einen oder anderen kannte ich, und alle konnten sich vorstellen, für so ein Projekt das Grundstück zu verkaufen oder Teile davon abzugeben.

Ihre Idee war damals: wir bauen zusammen das Haus, in dem wir dann alle zusammen wohnen werden.
Ja. Aber wie wir es genau umsetzen würden, darüber haben wir erst später gesprochen. Erst mal haben wir über einen Bekannten den Kontakt zu Frau Hugger aufgenommen, die in NRW solche Projekte berät und begleitet. Wir haben dann Frau Opuko-Böhler aus Köln als Referentin eingeladen zum Thema Mehrgenerationenwohnen.

Kommen die Freunde, die sich zum Kartenspielen treffen, auch aus verschiedenen Generationen?
Nein, wir sind alle mehr oder weniger im gleichen Alter. Damals, als wir anfingen über gemeinsames Wohnen zu philosophieren, war die Jüngste Mitte vierzig und der Älteste fast sechzig.  Auf der Seniorenmesse gab es reges Interesse an unserer Idee, und wir haben uns dann zwei oder drei Mal mit allen Interessierten getroffen und haben dann entschieden, wir wollen versuchen, so ein Projekt umzusetzen. Ich habe dann zuerst mit einem Privateigentümer verhandelt.  Ich wusste, in der Nähe wird demnächst ein REWE Supermarkt gebaut, es gibt eine Bushaltestelle in der Nähe, und wir haben gesagt: es ist ruhig und hat eine gute Nahversorgung. Dann haben wir leider ein Jahr lang mit dem Eigentümer verhandelt, aber er konnte sich nicht entscheiden, weil er viele Fragen zu klären hatte. Und solange er sich nicht entscheiden konnte, solange habe ich auch keine Planung gemacht.

Es war klar, dass Sie die Planung machen würden?
Ich war der einzige Architekt in der Gruppe, und ich wollte dieses Projekt entwickeln. Wir haben uns dann auch noch weitere Projekte angesehen, in Aachen zum Beispiel. Wir sind dann immer mit allen, die Interesse hatten, dorthin gefahren.

Hatten Sie damals schon den Namen ZIEL?
Ich glaube, der Name kam später. Die damals Jüngste aus unserer Gruppe, unsere Nachbarin, hat den Namen entwickelt. Sie kam irgendwann an und sagte: was haltet ihr davon, wenn wir uns ZIEL nennen. Eine Abkürzung für Zusammen In Euskirchen Leben. Wir fanden das eine super Idee und haben uns für den Namen entschieden. Mittlerweile ist es ein eingetragener Verein. Ein gemeinnütziger Verein auf der Basis von Pflege und Förderung im Altenbereich. Wir haben auch die unbefristete Gemeinnützigkeit.

Wie viele Mitglieder hatte der Verein in seinen besten Zeiten?
Gut zwanzig, fünfundzwanzig Mitglieder. Einige Mitglieder kamen auch aus Köln. Als wir dann damals mit dem ersten Grundstückseigentümer nicht weiterkamen, haben wir uns für ein anderes Grundstück entschieden, das der Stadt Euskirchen gehört. Es ist das Grundstück, wo jetzt demnächst gebaut wird.
Ich habe damals mit dem Beigeordneten gesprochen und gefragt: wie würde das aussehen, würde die Stadt an uns verkaufen?
Die Stadt wollte dieses Grundstück nicht einfach so vermarkten, sondern hat gesagt: wir wollen hier besondere Wohnformen etablieren, ohne an uns gedacht zu haben, aber da es eine zentrale Lage hat, wollten sie ihm eine besondere und gut funktionierende Mischform geben. Es sollte einige Jahre vorher einen Städtebaulichen Wettbewerb geben, aber aus Kostengründen hat die Stadt dieses Projekt nicht weiter verfolgt.
Die Stadt hat dann zu uns gesagt: wir überlegen uns das mal, wie wir das machen können, und nachdem der Verwaltungsvorstand sich das überlegt hatte, hieß es: wir können euch keine zwei- bis zweieinhalbtausend Quadratmeter geben, sondern wenn, dann müsst  ihr viereinhalbtausend nehmen, weil sonst ein Stück übrig bleibt, was schlecht vermarktbar ist. Also haben sie zu uns gesagt: wenn, dann müsst ihr euch Gedanken machen, was ihr mit  viereinhalbtausend Quadratmetern macht. Das aber war uns zu groß, und da habe ich gesagt:  dann überlegen wir uns, wer ein Projekt mit uns zusammen machen könnte.
Da ich nun einige Bauträger hier in Euskirchen kenne, habe ich jemanden angesprochen und der sagte: ja, das Grundstück kenne ich, in der zentralen Lage, das ist interessant, das können wir zusammen machen. Das haben wir dann der Stadt vorgestellt, dass wir zwei Projekte entwickeln wollen, einmal  unser Projekt und einmal ein normales Wohnprojekt, was ein Investor macht.

Das wären auch zwei verschiedene Häuser geworden.
Ja, zwei verschiedene Häuser, zwei verschiedene Grundstücke. Anfangs hatten wir schon mal drüber nachgedacht, ob wir eine gemeinsame Tiefgarage daruntersetzen oder vielleicht Gemeinschaftseinrichtungen wie Spielplatz oder Grillplatz, das waren so die ersten Ideen. Nachdem wir dieses Okay hatten, hat die Stadt gesagt: so einfach können wir euch das Grundstück aber nicht verkaufen, wir wollten damals einen Investorenwettbewerb machen, also  das jetzt so einfach an euch abzutreten, das ist rechtlich nicht machbar. Also hat die Stadt gesagt: dann machen wir jetzt über den Bereich, den ihr haben wollt, einen Ideenwettbewerb, an dem ihr euch beteiligen könnt.
Und dann musste natürlich erst mal überlegt werden, nachdem politisch einiges diskutiert worden war, muss der Wettbewerb Deutschlandweit oder Europaweit ausgeschrieben werden. Dann hat die Verwaltung sich schlau gemacht und irgendwann hat einer gesagt: Schluss, wir schreiben jetzt Deutschlandweit aus.

In welchem Jahr war das?
Das war 2008.

Und die Gruppe stand noch.
Ja, wir haben gemeinsam überlegt, was wir machen wollten, und ich habe dann einen ersten Entwurf gemacht für unser Projekt, so wie wir uns das vorstellten, mit Gemeinschaftsraum und Tiefgarage und achtzehn Einheiten insgesamt. Und ich hatte auch für den anderen Investor einen ähnlichen Entwurf gemacht. Das ganze Verfahren hat lange gedauert bis wir die Wettbewerbsunterlagen anfordern konnten. Dann gab es noch eine Anhörung mit acht Fragen, die veröffentlicht wurden, und da fünf der acht Fragen von uns waren, wussten wir, dass der Bewerberkreis nicht so groß sein  konnte. Dann hörte ich: außer euch hat keiner abgegeben.
Es gab ja eine Wettbewerbsjury, und da es nur uns als Teilnehmer gab, hat man natürlich unseren Entwurf teilweise zerpflückt, man musste sich ja irgendwie damit auseinandersetzen. Wir bekamen dann endlich den Zuschlag.
Dann hieß es, die Verwaltung hält uns ein Jahr lang das Grundstück vor, wir müssen aber alle Voruntersuchungen machen, Bodenuntersuchungen, Tragfähigkeit, Grundwasser, Altlasten, wir müssen einen Bebauungsplan erstellen  und uns um alles kümmern.
Dann haben wir in der Gruppe gefragt: wie sieht es aus, machen wir das? Jetzt ging es ja ums Geld, und es gab viele, die Interesse hatten, aber einige schwankten auch. Die Planung und den Wettbewerb hatte ich sozusagen in Vorleistung gemacht, aus Engagement, und nicht abgerechnet. Jetzt waren aber Fremdkosten zu zahlen, und die konnte und wollte ich nicht alleine zahlen. Da haben wir gesagt: gut, wir machen  einen Topf, jeder zahlt 5.000 Euro ein, egal, welche Wohnungsgröße er nachher bekommt, und das wird mit der Wohnung später verrechnet, als Anzahlung sozusagen.
Wir haben gesagt: 2.500,- € mehr oder weniger sofort, und die anderen zweieinhalb rufe ich ab, je nachdem wie die Rechnungen reinkommen. Auf dieser Basis habe ich den Bebauungsplan gemacht, und wir haben die Gutachten eingeholt. Wir haben natürlich immer nur die Hälfte der Kosten tragen müssen, denn der andere Investor hat die andere Hälfte zu tragen gehabt. Das war auch vorher abgesprochen. Bis alles untersucht war, hat es etwas mehr als ein Jahr gedauert, denn es kamen immer neue Feinheiten raus,  zum Beispiel kamen wir mit dem Entwässerungskanal nicht zurecht.
Der Kanal ist ausgereizt, er konnte keine Kapazitäten mehr aufnehmen, also musste überlegt werden, welche Alternativen haben wir. Wir müssen jetzt über andere Grundstücke das Schmutzwasser zur Gerberstrasse hin entwässern und das Regenwasser in den Veybach einleiten. Die Kanäle sind in dem Bereich sehr ausgelastet. Dadurch bekamen wir eine Fristverlängerung von der Stadt, und dann hat der Planungsausschuss den Bebauungsplan verabschiedet, der Liegenschaftsausschuß hat uns das Grundstück zugesprochen.
In dieser Planungsphase, als wir dieses Projekt sozusagen weiter entwickelt haben, nach dem Wettbewerb, hat einer aus unserer Gruppe den Kontakt zum Bundesfamilienministerium aufgenommen und hörte von dem Wettbewerb des Familienministeriums, um solche Projekte zu unterstützen. Er hat nachgefragt, wie die Kriterien aussehen. Das Ministerium wollte kleinere Einheiten fördern, sechs bis zehn Wohneinheiten, aber es stellte sich heraus, dass wir so strukturiert waren, dass man es für einen Teil unseres Projekts einreichen konnte, und so haben wir unser Projekt eingereicht. Zuerst hieß es, es  gibt einen günstigen Kredit über dreißigtausend Euro für solche Projekte. Es ergab sich aber, dass wesentlich weniger Projekte eingereicht worden waren als das Ministerium gedacht hatte, und so hat das Ministerium gesagt: wenn es so wenige sind, machen wir das anders, dann bekommt jeder, der die  Kriterien erfüllt und eingereicht hat, hunderttausend Euro  als Zuschuss.

Wieviele Projekte waren denn eingereicht worden, wissen Sie das vielleicht?
Ich schätze etwa ein Dutzend, es ist veröffentlicht worden, irgendwo zwischen zehn und fünfzehn Projekte, und alle bekamen hunderttausend Euro geschenkt, mit der Bedingung, das Geld kurzfristig einzusetzen.
Bei uns ging es dann langsam in die Feinheiten, unser Projekt wurde immer konkreter und die Kosten wurden auch immer genauer. Es verabschiedete sich dann der eine oder der andere, weil er dann doch sagte: nein, das ist mir zu risikoreich. Denn wir  wollten ja alle zusammen alles gemeinsam als Bauherrengemeinschaft tragen. Und da waren dann doch einige ein bisschen ängstlich und haben gesagt: das ist mir zu unsicher, wer weiß wo das hingeht. Dann haben wir den Fehler gemacht und gesagt: gut, dann werden wir das Gebäude verkleinern, und haben es von achtzehn auf dreizehn Einheiten reduziert.

Wieso Fehler?
Wir haben das gesamte Gebäude kleiner gemacht, hatten aber auch einige in der Gruppe, die große Wohnungen haben wollten, weit über hundert Quadratmeter. Ich habe dann teilweise auch zwei  kleinere Wohnungen zu einer großen zusammengelegt, so bekamen wir weniger Einheiten. Aber die Fixkosten, zum Beispiel die Erschließungskosten, blieben, so musste das dann nicht durch achtzehn, sondern nur durch dreizehn geteilt werden, so dass die jeweiligen Anteile wesentlich höher wurden, das wurde uns aber erst nachher in der Kostenaufstellung bewusst, und dann meinten einige: nein, wir sind nicht bereit von dem Ziel, was wir uns mal gesteckt hatten, etwa zweitausend Euro pro Quadratmeter, abzuweichen. Aber das war nicht mehr zu realisieren. Die Wünsche waren wesentlich höher, als die Bereitschaft, mehr Geld zu zahlen.  Wir wollten immer alle Ideen optimal verwirklichen, wie zum Beispiel ein großer Aufzug, damit auch ein Krankenbett reinpassen würde, und das führte dann leider zum Zerwürfnis, und die Gruppe ist auseinandergeplatzt.

Würden Sie sagen, dass Geld dabei die wesentliche Rolle gespielt hat?
Geld war ein wichtiger Faktor, aber eine professionelle Betreuung für die Gruppe wäre gut gewesen, um die Gruppe zu führen und die  Diskussionen zu leiten, so dass sich keiner übergangen gefühlt hätte. Da sind wir zu naiv rangegangen. Wir haben uns zwei Mal beraten lassen, aber man hätte damals mehr auf professionelle Unterstützung eingehen müssen. Wir hofften, wir können es alleine. Das war der große Fehler. Es war nicht nur das Geld. Es sind dann auch zwei aneinander geraten, es waren oft Kleinigkeiten, die zu Streitigkeiten führten. Wir waren nachher neun, die es realisieren wollten und die auch alle schon fünftausend Euro in den Topf eingezahlt hatten. Und weil zusätzliche Kosten wegen der Entwässerungsplanung entstanden waren, mussten wir nochmal tausend nachschießen, da gab es dann erst mal Knatsch, aber alle wussten, wir sitzen im selben Boot. Da sagten welche: nein, wir haben fünf vereinbart, ich bin nicht bereit noch einen Tausender draufzulegen; die meisten haben es aber dann getan. Und dann hieß es: so, was machen wir, wir sind noch neun Parteien, wir brauchen aber dreizehn, was machen wir, wenn die vier jetzt nicht kommen? Es gab bei uns einen, der immer nur mit worst case operierte, was könnte im schlimmsten Fall passieren. Die Banken haben uns gesagt: soweit wie ihr seid, das ist kein Risiko, also die vier kommen, wir finanzieren zwischen, aber zwei, drei aus der Gruppe wollten dieses Restrisiko nicht tragen. Und über die Kostenentwicklung und das Restrisiko und das Management und die Betreuung der Gruppe ist dann alles zerplatzt.

Wann war das?
Das war 2010.

Haben die Leute das Geld, was sie reingegeben hatten, zurückbekommen?
Nein, das war weg. Zwei Parteien sind übriggeblieben, das sind wir, meine Frau und ich und Karl Arimond.
Wir haben ein halbes Jahr gegrübelt, und in dieser Phase ist auch meine Architektenpartnerschaft kaputt gegangen. Alles wurde von unserem Büro getragen, das mit dem Wettbewerb und mit der Vorplanung, wo mein Partner dann auch mit beteiligt war. Es war zwar meine Arbeit, aber in der Zeit, die ich für unser Projekt arbeitete, konnte ich andere Arbeiten nicht machen, und das wollte er auch nicht mehr mittragen. Und dann ist die Partnerschaft geplatzt.

Wie lange waren Sie zusammen?
Er hat bei mir gelernt, hat studiert und immer bei mir gearbeitet, und nach dem Studium habe ich ihm die Partnerschaft angeboten. Er war sechs Jahre Partner von mir. Und aufgrund diverser Probleme und dieses Projekts kam es dann zum Zerwürfnis.

Wenn ich Ihnen so zuhöre und auch wenn ich Sie so in den Gruppentreffen erlebe, dann kommt die Frage auf: kann es sein, dass das Projekt eine Herzensangelegenheit von Ihnen ist?
Anfangs nein. Anfangs war es so eine Idee, wo wir gesagt haben, okay, das können wir uns vorstellen. Aber je mehr wir uns reingekniet haben und je mehr wir gehört und erfahren haben, und wie sich auch das Familiäre entwickelt hat, meine Kinder sind vor drei Jahren ausgezogen, mein Sohn nach Köln und meine Tochter hat geheiratet, wir merkten, dieser Umbruch kommt schneller, als uns lieb ist. Und nur in eine einfache Eigentumswohnung zu ziehen oder etwas Neues zu bauen, weil das Haus zu groß  geworden ist, das war eigentlich nicht unsere Idee. Wir haben uns dann in diese Idee des Wohnprojekts mit anderen verliebt und haben gesagt: wenn, dann wollen wir so etwas machen und möglichst in Euskirchen.
Wir sind dann 2010 im Sommer in Urlaub gefahren, nach Griechenland, und ich saß in freien Stunden am Schreibtisch, meine Frau am Pool oder unterm Sonnenschirm, ich hatte das Zeichenbrett auf dem Schoß und habe gezeichnet und überlegt, wie kann man das Projekt wirtschaftlicher machen. Ich hatte vorher versucht, es jedem recht zu machen und seine ganzen Ideen in der jeweiligen Wohnung unterzubringen, und dadurch war alles sehr kompliziert geworden, und das merkte ich, das geht nicht.

Das heißt, Sie wollten nicht aufgeben.
Ich wollte nicht aufgeben. Es knirschte damals schon heftig in unserer Büropartnerschaft, ich kam also aus dem Urlaub und habe nochmal mit meinem  Partner und den Mitarbeitern gesprochen, einige Mitarbeiter waren ja schon ins Projekt involviert, hatten Ausschreibungen gemacht und Informationen eingeholt, das heißt, das Büro war immer beteiligt. Und als dann mein Partner sagte: nein, das trage ich nicht mit, haben wir uns ein halbes Jahr später getrennt. Während der Zeit, die wir noch zusammen waren, gab es die Bedingung, dass ich während der Arbeitszeit nichts am Projekt tun durfte. Ich habe also nur am Wochenende mal skizziert und überlegt.
Nach der Trennung bin ich dann aber wieder voll eingestiegen und habe den neuen Entwurf der Stadt vorgetragen, und da hat die Stadt gesagt: okay, wir haben bis jetzt alles mitgetragen, und wir finden die Idee gut, so was brauchen wir in Euskirchen, ihr kriegt nochmal  Zeit, denn wir hätten längst mit dem Bauen anfangen müssen.
Jetzt brauchten wir aber einen Bauträger und Investor. Ich habe dann mit einigen gesprochen und zwei waren bereit, das Projekt mit uns zu machen. Der, der von Anfang an mit uns das Grundstück geteilt hat, war auch interessiert, und dann haben wir gesagt: okay, dann lassen wir alles, wie es ist, nur ihr baut jetzt auch unser Projekt. Die Beschlüsse im Ausschuss sind dann geändert worden. Nicht wir kaufen, sondern der Bauträger kauft. Wir haben dann auch mit dem Ministerium gesprochen wegen der hunderttausend Euro, denn das Geld war ja für den Grundstückskaufs eingesetzt worden. Aber auch das war kein Problem, denn wir haben das Geld jetzt auf den Gemeinschaftsraum bezogen, der gebaut wird, und die Stadt hat das auch mitgetragen.
Und so haben wir wieder neu angefangen mit den zwei Parteien, die von der ursprünglichen Gruppe übrig geblieben waren.  Dazu kommt, dass ich mein Architektenbüro auch im neuen Haus unterbringen will und das Apartment, das als Gemeinschaftsraum dient, somit waren im Prinzip die ersten vier Einheiten von den nun einundzwanzig vergeben. Und dann kamen zügig der eine oder andere dazu.
Wir hatten unser Projekt immer im Internet platziert. Wir sind dort seit 2006 und haben die ganze Entwicklung auch veröffentlicht. Uns haben Leute, die jetzt dazu gekommen sind,  gesagt: wir haben euch über Jahre beobachtet, was daraus wird. Und wir haben auch auf Veranstaltungen versucht, Werbung zu machen, haben Flyer gemacht und in der Presse diesen Umbruch verdeutlicht und waren so immer im Gespräch.

Es sind ja zwei ganz unterschiedliche Herangehensweisen, die Sie gelebt haben und leben. Einmal Freunde, die zusammen bauen, weil sie zusammen wohnen wollen, und jetzt wird ein Haus gebaut mit der Idee von eventueller Gemeinschaft, aber die Leute, die dabei zusammen kommen, kennen sich anfangs gar nicht.
Wir haben gemerkt, dass von unseren vier Kartenspielpärchen, als es sich konkretisiert hat, nur noch zwei dabei waren, die anderen waren zuvor schon ausgeschieden. Dabei haben wir gemerkt, es reicht nicht, die Freundschaft miteinander zu leben, auch über Jahre, das alleine ist es nicht. Man entwickelt sich. Und wir merkten auch, dass man enttäuscht und auch überrascht war, wie der eine oder andere bei Problemen und in bestimmten Situationen reagiert. Da haben wir für uns gesagt: wir können uns die Leute nicht schnitzen. Selbst die besten Freunde sind keine Garantie dafür, dass es über Jahre  funktioniert. Also muss man zurücktreten und sagen: was will ich? Wie weit kann ich mich zurücknehmen und auf andere eingehen? Und ich glaube, das haben wir für uns geklärt.

Also Sie und ihre Frau.
Ja.  Wir haben gesagt: wir wollen dieses Projekt, sind aber bereit, an anderen Dingen Abstriche zu machen, was gewisse Gemeinschaftsangelegenheiten angeht. Anfangs wollten wir alles selbst machen, jeder sollte zu Allem etwas beitragen, und jetzt haben wir gesagt: wir lassen alles offen, und wenn einer bereit ist, einen Dienst zu übernehmen, wie zum Beispiel die Treppe zu putzen, dann wird der entschädigt. Wir können nicht mehr sagen, die Gemeinschaft muss das Ganze stemmen. Das ist eine Entwicklung, die wir über all die Jahre gemacht haben, dass wir sagen: okay, wir bekommen auch für uns nicht die optimale Wohnung, was Himmelsrichtung und die Ausstattung angeht, aber wir sind zufrieden mit dem, was wir bekommen. Wir können uns gut vorstellen, so die letzten zehn, zwanzig oder mehr Jahre zu verbringen. Deshalb haben wir jetzt keine Angst vor dem, was auf uns zukommt. Obwohl wir ja viele noch gar nicht kennen. Aber wir sind überrascht, dass alle, die jetzt dazugekommen sind, doch eine ähnliche Wellenlänge haben. Wir sind im Moment mit den Menschen, die jetzt gekauft haben, sehr zufrieden.
Das einzige, was wir schade finden, ist, dass alle in unserer Altersgruppe sind. Wir wären ja auch gerne bereit, mal Kinder zu betreuen, aber es sind keine jungen Eltern dabei.  Von den acht Parteien, die bis jetzt definitiv gekauft haben, und die anderen, die bereit sind in Kürze zu kaufen, gehören alle zur Altersgruppe zwischen fünfzig und siebzig. Schade. Aber wir sind mit der Gruppe sehr zufrieden.

Die meisten Mehrgenerationenprojekte scheinen so zu enden, dass die Älteren unter sich bleiben.
Ja, es gab viele, die uns gesagt haben, die Jungen kommen zum Schluss. Wir haben aber auch von anderen Projekten erfahren, nach einer gewissen Zeit gibt es auch Wechsel, denn vielleicht verstirbt jemand, oder es kommt zu einer Trennung, oder sonst was, und dann kann es sein, dass vielleicht Jüngere kommen.

Können wir zum Schluss noch beschreiben, wie die Situation derzeit aussieht?
Der Bauantrag ist gestellt, die Fachingenieure sind bei der Arbeit, das Problem, mit dem wir im Moment zu kämpfen haben, ist der Erschließungsvertrag, diese Einleitung in den Veybach und in den anderen Kanal, da laufen zwischen dem Investor und der Stadt die letzten Abstimmungen. Ich hoffe, dass die in vierzehn Tagen abgeschlossen sind und in zwei, drei Wochen die Fachingenieure mit Statik, Schallschutznachweis, Wärmeschutznachweis, fertig sind und dass wir vielleicht Ende September die Baugenehmigung bekommen können. Dann wird im November Baubeginn sein, denn der Investor braucht auch für den Rohbauer ein bisschen Vorlauf, bevor der sein Angebot einreicht und die Beauftragung erfolgt. Und ich hoffe, dass in der Phase, wenn die Baugenehmigung erteilt ist, aus den acht Käufern dann doch zwölf, fünfzehn oder mehr geworden sind. Einige stehen bereit und wollen kaufen, warten aber noch ab. Es hängt an Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass der Investor die Mehrkosten benennen muss für die Sonderwünsche, die sie haben, oder dass man über das eine oder andere noch diskutiert. Wenn wir bei Baubeginn bei vierzehn, fünfzehn verkauften Einheiten sind, dann glaube ich, dass in der Bauphase vielleicht alle verkauft werden. 
Anfangs wollte ich das ganze Projekt bis zum Schluss begleiten, als Baukontrolleur und die Ausschreibungen machen und so weiter. Aber da hat mich meine Frau belehrt und gesagt, wenn es da Probleme gibt und du wohnst anschließend dort im Haus, das gibt immer Stress, und da habe ich gesagt: okay, das sehe ich ein, und dann haben wir das mit dem Investor besprochen, der das auch akzeptiert hat. Ich habe dann gesagt: ich mache die Planung, den Bauantrag und  die Ausführungsplanung, so wie wir es haben wollen. Und Firmensuche und Baubetreuung und Abrechnung, das macht jemand anderes. Ich glaube, das ist gut so. Und ich kann ja trotzdem immer noch draufgucken, habe aber nicht die Verantwortung.

Und wenn nicht alle Wohnungen verkauft werden?
Dann wird der Investor die letzten Wohnungen vermieten.  Ende 2013 soll der Einzug sein. Wir bleiben optimistisch.

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